Bericht über Tagung und Mitgliederversammlung 2017

Vom 15. bis zum 17. Oktober 2017 veranstaltete die Deutsche Comenius-Gesellschaft gemeinsam mit der tschechischen Unie Comenius die Tagung „Kunst und Kultur. Wissenschaftliche und künstlerische Beiträge zu Johann Amos Comenius (1592-1670) und seiner Zeit“. Die exzellente Vorbereitung und Durchführung dieser Tagung leistete insbesondere der Leiter der neu eingerichteten Comenius-Forschungsstelle und Sprecher des Wissenschaftlichen Beirats unserer Gesellschaft, Prof. Dr. Andreas Lischewski. Dementsprechend fand dieses sehr gut und auch international besuchte Ereignis auf den beiden Campus der Alanus-Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn statt: am ersten Tag im Rheintal, an den Folgetagen auf einem Hang mit reizendem Fernblick.

Bei der Eröffnung unterstrichen sowohl die Vorsitzenden der DCG und der Unie Comenius, Prof. Dr. Uwe Voigt (Augsburg) und Dr. Jiří Beneš (Uherský Brod / Tschechische Republik), als auch der Kanzler der Hochschule, Dirk Vianden, und der Dekan ihres Fachbereichs Bildungswissenschaften, Prof. Dr. Jost Schieren, wie bedeutsam die Tagung sei und wie gut sie in den Rahmen einer Hochschule passe, die dem Dialog der Wissenschaften und Künsten diene. Der ehemalige Vorsitzende der DCG, Prof. Andreas Fritsch (Berlin) zeigte auf, wie dieses Programm schon im Verständnis der „Freien Künste“ bei dem Namenspatrons der Hochschule, Alanus ab Insulis, verankert gewesen sei. Daraufhin beleuchteten Dr. Martin Steiner (Prag) und Lischewski ein Werk des Comenius, das sich als kulturelle Glanzleistung kritisch mit zeitgenössischer Kultur und Wissenschaft auseinandersetzte: den Roman über das Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens. Steiner sah darin das „Drama eines jungen Mannes“, während Lischewski aufwies, wie sich schon in jenem Frühwerk Ansätze der späteren comenianischen, ja der gesamten modernen Pädagogik finden lassen. Passenderweise schloss der erste Tag mit einer innovativ-frechen, dramatisch begeisternden Inszenierung dieses Romans unter der künstlerischen Gesamtleitung von Prof. Ulrich Maiwald, an der sich auch Schauspiel-Studierende der Hochschule beteiligten.

Der Vormittag des 16. September stand unter dem Motto „Historische Erinnerungsorte. Beiträge zum kulturellen Gedenken“. Dr. John Exalto (Amsterdam) stellte die „Geschichte der Herrnhuter Erziehung in den Niederlanden des 18. Jahrhunderts“ ebenso anschaulich dar wie Aleksej Tikhonov (Berlin) „Schulen und Lehrer in der Frühzeit der Rixdorfer Exulantengemeinde“. Beide stützten sich dabei auch auf neu entdeckte oder ausgewertete Quellen. Wie stark die Entwicklung der Comeniusforschung von politischen Großwetterlagen, aber auch von regionalen Initiativen und persönlichem Engagement geprägt worden ist, verdeutlichte Petr Zemek (Uherský Brod) mit seinem Vortrag „Das Museum in Uherský Brod als Comenius-Dokumentationszentrum“. Unterhaltsam und informativ zugleich präsentierte Dr. Hans van der Linde (Naarden / Niederlande) „Eine würdige Ruhestätte. Das ‚Comenius-Mausoleum‘ in Naarden“ und hob dabei offene Forschungsfragen hervor.

In der Mittagspause wurden verschiedene Gelegenheiten rege genutzt, mehr über die Hochschule und ihr städtisches Umfeld zu erfahren. Alles traf sich wieder im Schloss Alfter, wo Lischewski die wechselhafte Geschichte der Gelehrtenbibliothek Werner Korthaases Revue passieren ließ und die neuen Perspektiven skizzierte, die diese Büchersammlung nun als Comenius-Forschungsbibliothek in Alfter besitze. Mit der „Bedeutung des ‚Manuálnik‘ für das Leben der Brüdergemeinde“ erschloss Beneš daraufhin die Bedeutung eines der Schätze jener Bibliothek. Der Altphilologe Dr. Boris Hogenmüller (Frankfurt am Main) untersuchte mit der „Widmung der ‚Opera Didactica Omnia‘ an die Stadt Amsterdam“ einen wichtigen Teil einer Dauerleihgabe an der Forschungsbibliothek und stellte dabei die provozierende These auf, vieles von dem, was Comenius hier sage, sei nicht zuletzt der zeitgenössischen Form der Widmung geschuldet, was es bei einer Interpretation entsprechend immer mit zu berücksichtigen gelte. Manch davon erhitztes Gemüt konnte sich in einem Regenschauer wieder abkühlen, der den Weg vom Schloss zu einer Besichtigung jener Bibliothek benetzte.

Einen weiteren Höhepunkt bildete die Vernissage im Schloss, bei der sich Studierende der Alanus Hochschule unter der Gesamtleitung der drei Kunstprofessorinnen Beatrice Cron, Diemut Schilling und Andrea Sunder-Plassmann auf vielfältigen künstlerischen Wegen sowohl dem Labyrinth der Welt als auch dem Paradies des Herzens näherten. Trefflich dazu hin führte der Vortrag des Philosophen Prof. Dr. Thomas Schmaus (Alfter), der verschiedene Erwartungen an Werk und Ausstellung mit einem refrainartigen „von wegen“ in die Schwebe hob. Der Tag klang mit einer Einlage im „Hoftheater“ des Fachbereiches Schauspiel und einem gemütlichen Abendbuffet aus.

Am 17. Oktober schloss sich die Mitgliederversammlung der DCG an eine Tagung an, die von allen Teilnehmenden als besonders gelungen gelobt wurde. Zu jener Versammlung sich nicht nur erfreulich viele Mitglieder der DCG ein, sondern auch auswärtige Gäste aus zahlreichen europäischen Ländern. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden, Prof. Dr. Uwe Voigt (Augsburg) erhoben sich die Anwesenden im Totengedenken an die seit der vorhergehenden, 2015 erfolgten Versammlung verstorbenen Mitglieder: Michael Dähler; Ingeborg Lehmann, Schwester der Berliner Brüdergemeine; Dr. Othmar Liegl; Prof. Dr. Konrad Moll; Manfred Motel, Bruder der Berliner Brüdergemeine; Prof. Dr. Karl-Ernst Nipkow; Prof. Dr. Dr. h.c. Erwin Schadel; Prof. Dr. Walter Sperling; Prof. Dr. Alfred Treml; Prof. Dr. Siegfried Wollgast. Pfarrer Manfred Richter, der diese kleine Andacht leitete, verlas dazu Worte aus der Heiligen Schrift (Psalm 90,1-6.12 und Römer 14,8-9).

Im Anschluss daran berichtete Voigt über die Lage und Aktivitäten der DCG in den Jahren seit 2015. Auch unter widrigen organisatorischen Umständen, denen mittlerweile erfolgreich Abhilfe geschaffen würde, habe die DCG einiges geleistet. So seien fünf Vorstandssitzungen abgehalten worden und die DCG habe sich rege am kulturellen Leben in Berlin beteiligt und sei von einigen rührigen Mitglieder auch auf internationalen Tagungen vertreten gewesen. Was Details betreffe, könne auf den Berichtsteil der Jahrbücher verwiesen werden. Besonders erfreulich sei die Gründung der Comenius-Forschungsstelle in Alfter durch Prof. Dr. Andreas Lischewski, der zudem seit 2016 als Sprecher des Wissenschaftlichen Beirats fungiere. Aus finanziellen Gründen sei das Jahrbuch der Gesellschaft wiederum nicht jährlich erschienen und selbst diese Veröffentlichung habe sich maßgeblich dem Engagements Lischewskis zu verdanken, der erneut das Layout der Bände übernommen habe. Immerhin habe die DCG als Mitinitiatorin des bedeutenden Bandes Gewalt sei fern den Dingen! Contemporary Perspectives on the Works of John Amos Comenius (Wiesbaden 2016) auftreten können, der einen repräsentativen Querschnitt der gegenwärtigen Comeniusforschung biete. Über in Vorbereitung befindliche Tagungen der DCG würde die mittlerweile dank des Einsatzes von Herrn Sebastian Krebs (Augsburg/Bamberg/Berlin) reaktivierte Homepage der Gesellschaft informieren. Mit der Mitgliederwerbung befasse sich inzwischen ein eigener Arbeitskreis. Die Internationalisierung der Comeniusforschung werde nach wie vor angestrebt, und zwar aus der Mitte der bereits bestehenden Einrichtungen heraus. Besonders begrüßte Voigt in diesem Zusammenhang die vorgesehene Aufnahme von Dr. Jiří Beneš (Uherský Brod) in den erweiterten Vorstand der DCG.

Die Aussprache zum Kassenstand endete mit der Entlastung des bisherigen Vorstandes. Bei den anschließenden Neuwahlen unter der Leitung des ehemaligen Vorsitzenden Prof. Andreas Fritsch (Berlin) wurde ein Vorschlag des alten Führungsgremiums ohne Gegenstimmen angenommen. Auch die Vorgeschlagenen akzeptierten dies, was zu folgendem Ergebnis führte.

Dem Geschäftsführenden Vorstand gehören an: Vorsitzender Prof. Dr. Uwe Voigt; Stellvertretender Vorsitzender Prof. Dr. Andreas Lischewski (Alfter); Schriftführer Dipl. sc. pol. Henning Vierck (Berlin); Schatzmeister Jürgen Beer (Brügge). Als Beisitzer fungieren Dr. Jiří Beneš, Bischof Theo Clemens (Bad Boll) und Prof. Andreas Fritsch. Stellvertretende Beisitzer sind Prof. Dr. Walter Eykmann (Würzburg), Pfarrer i.R. Dipl. päd. Dr. Manfred Richter (Berlin) und Prof. Dr. Meinert A. Meyer (Münster). Der wiedergewählte Vorsitzende dankte dem bisherigen Vorstand und begrüßte alle neu Hinzugekommenen. Als neues Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat begrüßte die Mitgliederversammlung einhellig Sebastian Krebs.

Abschließend betonte der Vorsitzende, dass es eine dringende Aufgabe bliebe, neue und auch jüngere Mitglieder zu gewinnen. Mit entsprechenden „Hausaufgaben“ für den neuen Vorstand schloss die angeregt und – trotz einiger Kontroversen im Einzelnen – im Endeffekt harmonisch verlaufene Versammlung.

Bundespräsident Steinmeier würdigt František Hýbl

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat dem ehemaligen Direktor des Comenius-Museums in Přerov, František Hýbl, das Verdienstkreuz am Bande verliehen. Die Verleihung fand am 28. September 2017 in der deutschen Botschaft in Prag statt. Der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Christoph Israng, verlas in Prag die Begründung: „Damit erkennt die Bundesrepublik Ihre großen Verdienste um die Versöhnung zwischen Deutschen und Tschechen – insbesondere durch Ihren Beitrag zur Aufarbeitung der Ereignisse am 18. und 19. Juni auf den so genannten Schwedenschanzen bei Přerov an“.
Eindrucksvoll war auch die kurze Rede Herrn Rudolf Göllner, dessen vier Familienangehörige dort damals ermordet wurden: „Lieber Herr Dr. Hýbl, heute erhalten Sie die Ehrung, die Ihrem langjährigen Wirken angemessen ist. Sie haben im Sinne Ihres großen Landsmannes Comenius, der den Menschen Menschlichkeit lehrte, aus dem Geschehen in Prerau für sich die richtigen Schlussfolgerungen gezogen und gehandelt: Aufklären, Versöhnung, Friede, Freundschaft statt Verschweigen, Hass, Vergeltung, Unversöhnlichkeit. Ich persönlich sehe mich in der Verpflichtung, Ihr Beispiel an meine Kinder und Enkel weiterzugeben.“

Der Verdienstorden am Bande wird an in- und ausländische Bürgerinnen und Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen verliehen. Er wurde am 7. September 1951 vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss gestiftet und sollte der Ehrung all derjenigen dienen, „deren Wirken zum friedlichen Aufstieg der Bundesrepublik Deutschland beiträgt.“

Die Deutsche Comenius-Gesellschaft freut sich aufrichtig über diese Auszeichnung ihres geschätzten Kollegen.

Comenius-Tagung „Kunst und Kultur“, 15.-17. 9. 2017, Alanus-Hochschule in Alfter bei Bonn

Vom 15. bis zum 17. September dieses Jahres findet an der Alanus-Hochschule in Alfter bei Bonn eine internationale Tagung statt: „Kunst und Kultur. Wissenschaftliche und künstlerische Beiträge zu Johann Amos Comenius (1592-1670) und seiner Zeit“. Diese Tagung organisiert die neue Comenius-Forschungsstelle in Alfter in Zusammenarbeit mit der Unie Comenius und auch mit unserer Gesellschaft, die damit zugleich ihre Jahrestagung  begeht.

Zu diesem gewiss spannenden und ertragreichen Ereignis ergeht hiermit herzliche Einladung. Weitere Informationen sind unter dem folgenden Link zu finden:

https://www.alanus.edu/veranstaltungen/veranstaltungen-index0/alle-veranstaltungen-details/details/tagung-kunst-und-kultur.html

Grußwort zum Comenius-Symposium in Sankt Petersburg

Über die ganze Welt verteilt befassen sich zahlreiche Initiativen auf verschiedene Weisen mit Johann Amos Comenius und seinem geistigen Erbe. Die wechselseitige Vernetzung dieser Initiativen stellt auch für unsere Gesellschaft ein wichtiges Anliegen dar. Daher ist es sehr erfreulich, dass unser Vorstandsmitglied Pfarrer Manfred Richter (Berlin) am diesjährigen Comenius-Symposium der Peterschule in Sankt Petersburg teilgenommen und dabei ein Grußwort vorgebracht hat, das sich hier findet:

Grusswort_Richter_Petersburg_2017.