Manfred Richter: Johann Amos Comenius und das Colloquium Charitativum von Thorn 1645

Manfred Richter: Johann Amos Comenius und das Colloquium Charitativum von Thorn 1645. Ein Beitrag zum Ökumenismus. Siedlce: Instytut Neofilologii i Badań Interdyscyplinarych Uniwersytet Przyrodniczo-Humanistyczny w Siedlcach, 2013 (Labyrinthi 1). 545 Seiten, ISBN 978-83-63307-84-4.

Während von 1618 bis 1648 in weiten Teilen Europas der Dreißigjährige Krieg auch als eine konfessionelle Auseinandersetzung tobte, erfreute sich das Königreich Polen zur gleichen Zeit einer relativ friedlichen Koexistenz verschiedener Bekenntnisgemeinschaften. Unter anderem hatte dort ein großer Teil der aus den Habsburger Landen vertriebenen Böhmischen Brüderunität Zuflucht gefunden, der Johann Amos Comenius angehörte. Doch waren auch hier Spannungen zwischen den Konfessionen unverkennbar. Ein Versuch, diese Spannungen zu lösen, trieb sie zugleich auf die Spitze: die vom König ergehende Einladung zu einem „liebreichen“ Religionsgespräch, das 1645 in Thorn stattfand. Zwar wurde dabei keine Einigung erzielt und einige Bruchlinien traten sogar noch stärker hervor. Ein nachhaltiges Ergebnis hatte dieses Gespräch allerdings durchaus: Comenius, der im Vorfeld für die protestantische Seite beratend tätig war, wurde dadurch zu seiner Konzeption einer „allgemeinen Beratung über die Verbesserung der menschlichen Angelegenheiten“ angeregt – so der Titel seines von da an entstehenden, unvollendet gebliebenen Hauptwerks in deutscher Übersetzung. Jene Konzeption bietet Impulse für die nach wie vor, ja mehr denn je aktuelle Suche nach Frieden zwischen Menschen, Weltanschauungen, Staaten sowie auch und gerade zwischen den Konfessionen und Religionen. Manfred Richter zeigt in dieser großangelegten Studie auf, wie diese Impulse in ihrem zeitgenössischen Kontext und dessen umfassender Vorgeschichte entstanden sind, welchen nach wie vor gültigen Inhalt sie haben und welche Perspektiven es dafür gibt, sie unter den heutigen Bedingungen wiederaufzugreifen.
„Der Theologe Comenius und seine enorme theologiegeschichtliche wie systematisch-theologische Bedeutung liegen nun viel klarer vor Augen. Jetzt kann auf neuer Grundlage weiter geforscht werden. Mögen es viele Manfred Richter nachtun!“ (Christoph Th. Scheilke in seiner Besprechung dieses Buches: Comenius-Jahrbuch 20-21 [2012-2013] 155-158, hier 158).