Werner Korthaase (2002)

Johann Amos Comenius (Jan Amos Komenský) wurde am 28. März 1592 in einem mährischen Dorf geboren. Er studierte an der Hochschule in Herborn (Hessen) sowie an der Universität Heidelberg und hatte bedeutende Lehrer, die sein enzyklopädisches Interesse weckten und förderten, woraus sich später seine “Pansophie” (Allweisheit) entwickelte, die eine universale Wissenschafts-, Kirchen- und Politikreform zum Ziel hatte. Seine irenischen (ökumenischen) Bestrebungen galten der Überwindung der konfessionellen Zerrissenheit Europas, seine politischen richteten sich auf den europäischen und den Weltfrieden. Aus seiner Heimat während des Dreißigjährigen Krieges vertrieben, verbrachte er mehr als vierzig Jahre rastlos schriftstellerisch und für seine exilierte Kirche der böhmisch-mährischen Brüder-Unität organisatorisch arbeitend im Exil. Er lebte in Polen, Groß-Britannien, Schweden, Ungarn sowie in den Niederlanden. Wegen seiner Lehrbücher, die in viele europäische und sogar in asiatische Sprachen übersetzt wurden, ersuchten ihn Fürsten, Könige und städtische Magistrate um Rat in Fragen der Bildungsreform. Das englische Parlament berief ihn zur Gründung von wissenschaftlichen Kollegs nach London. Sein Hauptwerk De rerum humanarum emendatione consultatio catholica (Allgemeine Beratung über die Verbesserung der menschlichen Dinge) gehört zu den bedeutendsten Werken innerhalb der europäischen Wissenstradition. Er hinterließ mehr als 200 Schriften. Wilhelm Dilthey, der Kulturhistoriker, sagte von ihm, er sei “vielleicht der größte pädagogische Kopf, den Europa hervorgebracht” habe. Der französische Historiker Jules Michelet sprach von “le Galilée de l’education”; der amerikanische Pädagogikhistoriker Jerome K. Clauser bezeichnete ihn als “gigant among educators”, seine Reformvorschläge seien “timeless by any standards”, der deutsche Bildungshistoriker Karl von Raumer die Opera didactica omnia als “reichste Schatzkammer scharfsinniger und tiefer pädagogischer Gedanken”. Heute interessieren nicht zuletzt die Ansichten und Reformvorschläge des “praeceptor mundi”, des “großen Freundes der Menschheit und der Jugend”, zur “Verbesserung der menschlichen Dinge”. Comenius starb am 15. November 1670 in Amsterdam.